„Wer aufmerksam durch Städte und Quartiere geht, der mag sich schon über ungewöhnlich anmutende grüne Oasen gewundert haben. Ob in Baulücken, am Rande von Grünanlagen oder auf Dächern von Parkgaragen, es werden vermehrt Beete angelegt, um inmitten der Stadt Obst und Gemüse anzubauen. So außergewöhnlich diese Orte zunächst erscheinen, so alltäglich ist ihre Intention: Sie bieten den Menschen inmitten der Stadt Raum zum Anbau von Nutz- und Zierpflanzen. Und das ist nichts Unbekanntes, vielmehr hat das Gärtnern in der Stadt eine lange Tradition. In fast allen Epochen der Stadtentwicklung pflegten Menschen Gärten in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes. Erst in den vergangenen Jahrzehnten ist dies in Vergessenheit geraten und das Gärtnern blieb vor allem denjenigen vorbehalten, die über privaten Grund und Boden oder Zugang zu Kleingärten verfügten. Das ändert sich derzeit. In vielen Städten engagieren sich Bürgerinnen und Bürger gemeinsam und verwandeln urbane Orte in Gemeinschaftsgärten.

Hinter dem Sammelbegriff „Gemeinschaftsgärten“ verbergen sich zahlreiche Formen und Ausprägungen von Projekten, in denen gemeinschaftlich gepflanzt, gepflegt, geerntet wird. Die Vielfalt ist dabei groß. Für die einen steht der Anbau von Gemüse für den eigenen Verzehr im Vordergrund, während für andere das gemeinsame Arbeiten in der Natur, die Begegnung und der Austausch, das Lernen und Teilen sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen besonders wichtig sind. All diese Komponenten stellen wichtige Beiträge zur nachhaltigen Stadtentwicklung insbesondere in sozial benachteiligten Quartieren dar.

Was zeichnet die aktuellen gemeinschaftlichen Gartenprojekte genau aus? Welche Beiträge leisten sie für die Quartiersentwicklung? Welche Unterstützung benötigen diese Projekte? Diese Fragen waren Anlass für das Bundesumwelt- und -bauministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, in einem Forschungsprojekt Gemeinschaftsgärten in Quartieren zu untersuchen und Handlungsempfehlungen für die Praxis zu formulieren. Dieser Bericht zeigt, wie groß die Bedeutung von Gemeinschaftsgärten für die Entwicklung sozial benachteiligter Quartiere ist und wie diese das Leben dort verbessern können.“ (Vorwort der Studie)