Die Gemeinschaftsgärten Köln hatten zum 2. Saatgutfestival eingeladen und die Volkshochschule rollte ihre roten Teppiche aus.

Bei frühlingshaften Temperaturen bauten am 4. März an die 30 Anbieter und Aussteller im Studienhaus am Neumarkt für einen Tag lang ihre Stände auf. Bereits eine Stunde vor dem offiziellen Auftakt füllte ein buntes Publikum die Räume – Garten- und Ernährungsinteressierte, Umweltaktivisten, Saatgut- und Klimaschützer, Konzern- und Konsumkritiker.

High Noon – das Festival wurde eröffnet von Dr. Henrike Vierig, Leiterin des Fachbereiches Umweltbildung der Volkshochschule, die unsere Vorbereitungen überaus umsichtig und hilfreich begleitet hatte; von Konrad Peschen, dem Leiter des Amtes für Umwelt- und Verbraucherschutz, der sich begeistert zeigte, die umweltpolitische Bedeutung der Veranstaltung hervorhob und für 2018 Unterstützung zusicherte; und von Dorothea Hohengarten, Mitorganisatorin des Festivals und Urban Gardening-Aktivistin bei Kölner NeuLand.

Bis zum frühen Abend wurde auf zwei Etagen Saatgut getauscht und erworben, Meinung, Erfahrung und Sachkundiges vorgetragen und diskutiert. Wieder mit dabei waren der VEN und die Solawi Köln. Als erster Schulgarten hatte die Abendrealschule aus dem Kunibert-Veedel einen vielbeachteten Auftritt. “Der Andere Buchladen” breitete literarische Schätze aus: Schöne und nützliche Gartenbücher, aber auch Werke zu Ernährung und anderen ökologischen Themen.

Für das leibliche Wohl sorgten die Gewinner des 2. Platzes vom Umweltschutzpreis 2016 der Stadt Köln: Immer der Nase nach erreichte man zielsicher die kleine Cafeteria am Ende des Ganges mit den Köstlichkeiten, die “The Good Food” dort aus geretteten Lebensmitteln zauberte.

Für originelle Unterhaltung sorgten “Tante Olga” mit einem Spiel zur Müllvermeidung und “Wilma in der Wurmkiste” mit Indoor-Kompostierung.

Der “Ernährungsrat für Köln und Umgebung”, 2016 gegründet zur Förderung regionaler Lebensmittelerzeugung und -vermarktung, war vor Ort. “Aktion Agrar” informierte über die bedrohliche Situation von freien Weizensorten auf dem Weltmarkt, FIAN Deutschland über den Hunger in den Ländern des globalen Südens. Die Genossenschaftsbank Oiko Credit stellte ethische Modelle zu Geldanlagen vor.

Die Seminarreihe griff eher praktische Saatgut-Aspekte auf. Wie schon im Jahr zuvor berichtete Sabine Lütt aus ihrem reichen Erfahrungsschatz, mit vielen Tipps und Tricks rund um Saatgutproduktion und Gemüseanbau. Um die Steckrübe, vom VEN zur Pflanze des Jahres gekürt, ging es bei Eike Wulfmeyer. Der holländische Designer Martien Bakker präsentierte humorvoll ein Konzept für soziales Gärtnern auf Nord-Balkonen.

Ernster wurde es bei Anja Banzhaf, die anschaulich und eindrucksvoll erläuterte, worum es sich bei Hybridsaatgut handelt und was daran besorgniserregend ist. Überwiegend kritische Standpunkte kamen auch in der Vortragsreihe zum Ausdruck: Susanne Gura erklärte, wie globale Saatgut-Monopole den Artenrückgang vorantreiben. Eindringlich zeigte Severin von Hoenbroich Mechanismen und Folgen einer ausbeuterischen Agrarindustrie auf. Bei Karen Schewina stand die Bedrohung freier Weizensorten durch internationale Konzerne im Mittelpunkt und bei Monika Krüger die Auswirkung von Glyphosat-Rückständen in Nahrungsmitteln auf den Organismus von Mensch und Tier.

Besonders erfreulich war die große Zahl junger Besucher, oftmals Studierende von biologischen und botanischen Fakultäten, die den Vorträgen aufmerksam folgten, den Referenten kluge Fragen stellten und ihre Wertschätzung nicht selten durch großzügige Spenden ausdrückten.

Rückblickend kann das 1. Saatgutfestival 2016 als ein fröhlicher Auftakt gesehen werden, der viele unterschiedliche Akteure zusammenführte. 2017 hat sich ihre Zahl nahezu verdoppelt, die Themen der Referenten sind kritischer und anspruchsvoller geworden. Das Publikum reagierte mit großem Interesse und fast durchweg voll besetzten Auditorien. Oft standen am Ende eines Vortrages Betroffenheit, Sorge und Ratlosigkeit im Raum: Wie kommt man aus diesem Irrsinn raus?

Die zahlreichen positiven Rückmeldungen zur Veranstaltung haben uns gefreut und zum Weitermachen ermutigt. Für 2018 schreiben wir uns “Klasse statt Masse” auf die Fahne. Wir wollen nicht größer werden, sondern besser – prägnanter in den Themen und konkreter in den Antworten. Dafür werden wir verstärkt öffentliche Akteure einer ethisch verantwortbaren Ökonomie in den Bereichen Saatgut, Nahrungsproduktion und Nahrungskonsum zusammenbringen.

Bei allem aber bleibt die Vielfalt unser ethisches Kernanliegen – bei den Arten, auf dem Teller, beim Genuss.

Wir danken allen Beteiligten von 2017 und freuen uns schon jetzt auf die, die 2018 bei der 3. Auflage dabei sein werden.

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Saatgutfestival Köln, 03. 03. 2018, 11 – 18 h

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