Was sind Open Source Tomaten? Manche kennen Open Source vielleicht aus den Zusammenhang von Software (Mozilla Firefox oder Android Betriebssystem auf Handys), aber was hat das Ganze mit Tomaten-Saatgut zu tun? Aber nun von Anfang an:
Patente wurden ursprünglich zum Schutz von Erfindungen von Industriegütern entwickelt. In den letzten Jahren wurden aber immer mehr Patente auch auf gewöhnliche Pflanzen wie Peperoni oder Brokkoli erteilt. Das hat negative Auswirkungen.
Die zunehmende Patentierung von Saatgut und Pflanzen aus konventioneller Zucht bedeutet eine weitgehende Enteignung von Bäuerinnen und Züchtern: Bauern dürfen ihr Saatgut aus der Ernte oder anderes Vermehrungsmaterial nur noch in beschränkten Fällen wiederverwenden und Züchterinnen können mit dem patentierten Saatgut nur noch sehr eingeschränkt weiterarbeiten. Saatgut ist inzwischen privates Eigentum von einigen internationalen Konzernen geworden, die neben dem Saatgut auch die maßgeschneiderten Pflanzenschutzmittel verkaufen.
Die Gefahr ist, dass das Wachstum und der Wettbewerb dieser Konzerne untereinander nicht zu mehr Arten- und Sortenvielfalt in der Landwirtschaft führen, sondern dazu, dass die Unternehmen versuchen, mit weniger Arten einen möglichst großen Profit zu erzielen. Doch überall auf der Welt haben Menschen erkannt, wie wichtig das Saatgut für die Zukunft der Menschheit ist.
Open-Source-Lizenz für Saatgut
Saatgut ist die Grundlage für unsere Lebensmittel.  Ein Ansatz der Vereinnahmung unsere aller Natur entgegenzuwirken ist der Einsatz von offenen Lizenzen oder Open Source Lizenzen auf das Saatgut. Open Source (offener Quelltext auf englisch) bedeutet, dass das Saatgut frei von einschränkenden Lizenzen ist. Jeder darf es nutzen und ebenfalls Saatgut produzieren. Nachbau aus den Samen ist frei. Neue Sorten, die aus ihr gezüchtet werden, müssen auch unter die Open-Source-Lizenz gestellt werden. Das heißt:
Jeder Mensch darf das Saatgut nutzen
Niemand darf es privatisieren
Besitzende des Saatguts übertragen diese Rechte und Pflichten auch an zukünftige Nutzende

Die Stadt Dortmund als Pionier
Wie viele Städte stellt sich auch Dortmund den Herausforderungen des Klimawandels. Wo in anderen deutschen Städten die Kreativität bei neuer Verkehrsregelungen oder strengeren Vorgaben für neue Bauvorhaben endet, ist das Umweltamt in Dortmund im letzten Jahr einen Schritt weitergegangen und hat Open Source Tomatensaatgut der Sorte Sunviva geerntet. Die Sunviva-Tomate ist durch eine Open-Source-Lizenz vor Patentierung geschützt. Nun wird das Saatgut von der Ausgabestelle im Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz an Dortmunder BürgerInnen kostenlos verschickt.  Damit geht Dortmund einen wichtigen Schritt, denn der Klimawandel stellt auch den Gemüseanbau auf eine Probe, die nur mit einer hohen Sortenvielfalt bestanden werden kann. Umso mehr unterschiedliche Sorten verfügbar sind, umso anpassungsfähiger wird das Gemüse unserer Zukunft sein.
Entscheidend für die erfolgreiche Arbeit des Umweltamtes war die Bereitstellung einer Open-Source-Saatgut-Lizen: OpenSourceSeeds. Wir möchten die Initiative ebenfalls unterstützen. Falls Ihr die Sunviva-Sorte anbauen wollt gebt uns Bescheid!
 
Tomatensetzlinge kaufen und Gutes säen
Adelheid Coirazza sammelt seit vielen Jahren Saatgut vieler verschiedener Tomatensorten und kultiviert jedes Jahr einen Teil ihrer Sammlung in ihrem Privatgarten zur Saatgutgewinnung. So leistet sie einen kleinen und wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Sortenvielfalt. Wer mit dem Setzlinge vorziehen spät dran ist, kann die Zeit zurück drehen und Setzlinge verschiedenster Tomatensorten bei ihr kaufen. Der Erlös geht in diesem Jahr an die Ärzte ohne Grenzen. Damit leistet sie Wohl einen Betrag zu zwei der momentan akutesten Probleme unserer Zeit.
Lust auf rote Geschmacksnuancen? Einfach bei Tomatenadel gucken und schwelgen.
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